Bersenbrück/Quakenbrück. Wegen der Corona-Krise sind in Niedersachsen die Fitnessstudios derzeit noch geschlossen. Doch nicht nur Sportler hoffen auf eine baldige Öffnung, sondern vor allem die Betreiber. Wie ist es ihnen in den vergangenen Wochen ergangen?

Für Daniel Keim, Betreiber von Deluxe Fitness in Bersenbrück, ist es derzeit ein Kampf um seine Existenz und um das, was er sich in den vergangenen zehn Jahren aufgebaut hat. 2019 hatte er gerade noch investiert, doch nun muss er alle möglichen Förderungen nutzen und auf private Rücklagen zurückgreifen. Auch seine mehr als zwölf Mitarbeiter mussten in Kurzarbeit. 

Nur etwa 30 Prozent seiner Kunden haben eine klassische Fitnessmitgliedschaften. Diese zahlen derzeit weiter, weil sie online betreut werden. Ein weiterer großer Teil sind Rehasportler, die über ärztliche Verordnungen per Rezept zu ihm geschickt werden. Diese Rehasport-Kurse sind komplett ausgefallen. Ein Großteil der Kunden kommt auch über Firmenfitness-Kooperationen wie Hansefit in das Studio. Die Hansefit-Kunden werden pro Teilnahme von der Firma Hansefit vergütet. “Auch diese Einnahmen waren sofort weg”, sagt Keim.

Kunden per Deluxe App erreichen

Trotzdem versucht er momentan alles, um nicht nur sein Fitnessstudio zu retten, sondern auch, damit seine Kunden aktiv bleiben. Von Vorteil war es für ihn, dass er sich mit seinem Fitnessstudio schon seit Jahren mit der Digitalisierung beschäftigt hat. Im Studio gibt es zum Beispiel digitale Trainingsgeräte oder digitale Beratungsraume. Ebenso nutzte er bereits eine Trainings-App, worüber die Trainer Mitglieder betreuen können im Studio und zu Hause oder am Arbeitsplatz. “Somit ist in unserem Studio schon immer die Trainingsbetreuung unserer Mitglieder außerhalb des Studios selbstverständlich gewesen und wir konnten schnell reagieren, als am 17. März unser Studio geschlossen wurde”, erklärt er.

Das Personal ist in der Woche trotz allem von 8.30 bis 18 Uhr im Studio für die Kunden erreichbar. Damit sie zuhause trainieren konnten, hat das Studio Trainings-Equipment verliehen, zum Beispiel kleine Hanteln oder Matten. “Durch unsere App können wir jedem einzelnen individuelle Trainingspläne zuordnen”, sagt Keim. Zusätzlich wurden Youtube-Videos mit Trainings-Übungen für zu Hause und Erklärvideos zu  Rückenschmerzen gedreht. Auch für die Kindertanzengruppen oder die Athletikbetreuung des TuS Bersenbrück wurden Videos produziert.

Außerdem darf das Fitnessstudio digitale Rehasport Kurse anbieten. “Somit gehören wir in Bersenbrück zu den ersten Studios deutschlandweit, die ihre Rehasportler mit Zoomkurse digital zu Hause betreuen können und dies ist von allen Krankenkassen genehmigt und wird bezahlt”, sagt Keim. Allerdings würden bislang nur wenige diese Kurse nutzen, es dürfen aber  Rehasportler aus ganz Deutschland teilnehmen. 

Seit Kurzem kann das Bersenbrücker Fitnessstudio die Sportler zumindest auch auf den Outdoorflächen betreuen, die es bereits seit Jahren gibt. “Viele lernen unsere Mehrleistungen gegenüber herkömmlichen Fitnessstudios erst richtig zu schätzen”, sagt Keim. 

Er hofft nun, dass die Fitnessstudios bald wieder öffnen dürfen, nicht nur, damit sein Studio die Krise übersteht, sondern auch, damit die Kunden wieder Sport treiben und gesund bleiben können.

Sport ist wichtig für die Gesundheit

Ähnlich sieht das auch Dagmar Müller, Inhaberin des Drei-Fit-Fitnessstudios in Quakenbrück. “Es ist alles sehr unbefriedigend”, sagt sie, vor allem weil es noch keinen Stichtag gibt. Sie hofft, dass am 25. Mai ein Datum für die Fitnessstudios genannt wird, dann stehen die nächsten Beratungen von Bund und Ländern an. Ihrer Meinung nach werde in den Diskussionen häufig vergessen, wie wichtig Sport für die Gesundheit und ein gutes Immunsystem seien: Die Fitnessstudios leisteten dazu einen Beitrag.

Doch Müller ist in diesen Zeiten auch dankbar, denn viele der Mitglieder würden ihre Beiträge nicht zurückfordern, um das Fitnessstudio so zu unterstützten. Um die Dankbarkeit auszudrücken, “lassen wir uns noch etwas einfallen”, sagt Müller.

Geräte sind schon auseinandergestellt

Für Mitglieder des Drei Fit gab es in den vergangenen Wochen auch verschiedene Online-Angebote wie Bodyworkout oder Yoga. Seitdem draußen wieder Sport möglich ist, bietet das Studio auch Kurse im Freien an. An Christ Himmelfahrt soll es auf dem Parkplatz wieder soweit sein.

Richtig losgehen könnte es im Drei Fit jederzeit, denn die Geräte wurden bereits auseinandergestellt und entsprechende Hygienemaßnahmen getroffen. “Wir sind vorbereitet”, betont die Inhaberin. Es sollte so schnell wie möglich einen Neustart geben, fordern sie: “Sonst gibt es Fitnessstudios nicht mehr.”